Venedig sehen und sterben

Der Tag begann wie es sich für Italien gehört. Strahlender Sonnenschein und bester italienischer Kaffee, dazu Toast und jede Menge frischer fein säuberlich geschnittener Früchte. 

Der Weg zum Bus nach Venedig war rasch erkundet und das Timing passte perfekt zur Abfahrtszeit.

Als geübter Urlauber überkommt einem bei so viel Perfektion der Zweifel, dass es nicht so bleiben wird. 

Der ließ auch nicht lange auf sich warten. Beim Ausstieg aus dem Bus und Umsteigen in das Schiff von Punta Sabbione nach Venedig wurde uns mitgeteilt dass die Schiffslinien 24 Stunden bestreikt werden und das nächste Schiff in 3 1/2 Stunden fährt. Natürlich könne man das Ticket versuchen dort zurück zu geben wo man es gekauft hat, das Transportunternehmen ACTV nehme es jedenfalls direkt vom Kunden nicht zurück. Ja so sieht Kundenfreundlichkeit auf italienisch aus. Das selbe Unternehmen hatte uns auch ohne jeden Hinweis mit dem Bus zum Hafen gefahren. 

Ein privates Bootsunternehmen besserte jedenfalls seine Jahresbilanz kräftig auf und brachte uns für nur 5 € pro Person zum Markusplatz. 


Sinnvoller Weise wurde auch der Vaporetto Verkehr bestreikt und es wurden nur ganz wichtige Linien 1-2 Mal pro Tag befahren. Als nicht wichtig wurde jedenfalls der Canale Grande eingestuft, da deswegen ja kaum Touristen nach Venedig kommen.  Gefreut hat das sicher die Gondoliere, die mehrfach im Stau zu beobachten waren und die Taxibootfahrer. Hätte man Hintergedanken könnte man auf die Idee kommen, sie würden hinter dem Streik stecken, aber sowas gibts in Italien sicher nicht. 

Also musste Venedig zu Fuss erkundet werden. Dies freute besonders unsere Schrittstatistik, die am Abend über 14 Kilometer zeigte. 

Zum Glück gab es zwischendurch auch Berufsgruppen die nicht streikten und sich um das Wohl der Touristi kümmerten. Ihnen gilt heut unser ganzer Dank, sonst hätte Thomas Mann vielleicht sogar Recht behalten. 


Die Rückreise wurde bereits früher als geplant angetreten, da auch am Abend nur wenige Schiffe retour fuhren und unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit der öffentlichen italienischen Beförderungsbetriebe nachhaltig beschädigt ist.